Chronik des SC Fornsbach
Zaghafte Anfänge
Vor dem 2. Weltkrieg fanden sich schon sportbegeisterte junge Männer zusammen, um in Fornsbach Fußball zu spielen und sich sportlich zu betätigen.
Der erste Trainings- und Sportplatz war eine Wiese ,,Im Grund" hinter dem Fornsbacher Bahnhof. Dieser Platz wurde bei der Einquartierung der Wehrmacht 1939/40 durch Kettenfahrzeuge zerstört.
Aus den Anfängen - Die Entstehung des Sportclub
1945: Der schreckliche Krieg ist zu Ende. Aus mehr oder weniger langer Gefangenschaft kommen die Männer zurück in die Heimat. Doch was sie vorfinden, ist schrecklich: In Fornsbach z.B. stand kaum mehr ein Stein auf dem anderen. Nach dem verheerenden Artillerie- und Tieffliegerangriff vom 18. April 1945 ist Fornsbach als einzige Gemeinde des Kreises Backnang größtenteils zerstört. 55 Wohnhäuser und 32 Scheunen liegen mit Rathaus, Kirche, Pfarrhaus und Feuerwehrhaus in Schutt und Asche. 97 Familien sind von unermeßlichem Schaden betroffen; 6 Einwohner müssen bei diesem sinnlosen Angriff ihr Leben lassen.
Der Wiederaufbau beginnt mühsam: 13000 Kubikmeter Trümmerschutt müßten beseitigt werden.
Was also machten junge Leute, die von der großen Politik die Nasen gestrichen voll hatten? Um 22 Uhr war Sperrstunde; die Amis" kontrollierten die Einhaltung streng und waren überall.
Eugen Hinderer und Alfred Weller wußten, was Sie wollten! Sie wollten Fußballspielen. Sie gingen nach Oberrot zum dortigen FC, der damals in der dritthöchsten Spielklasse, der Bezirksliga, spielte. Die beiden wurden herzlich aufgenommen und verbrachten eine schöne Zeit beim Nachbarverein. Nach dem Training wurde dann die Sperrstunde doch etwas überschritten und manches Mal landeten die Spätheimkehrer deckungsuchend vor den kontrollierenden „Amis“ im Straßengraben.
Etwas kurioses am Rande: In dieser Zeit spielten beim FCO nur 3 Spieler aus Oberrot, die restlichen kamen aus Fichtenberg, Fornsbach oder Rieden.
Ende 1946, Anfang 1947 kam in Fichtenberg die Idee auf einen Sportverein zu gründen. Was lag für Eugen Hinderer und Alfred Weller also näher, als nach Fichtenberg zu wechseln, immerhin war der Weg von Fornsbach nach Fichtenberg, der zu Fuß zurückgelegt werden mußte, nur halb so weit wie nach Oberrot. Hinderer und Weller waren Anfang 1947 auch Mitbegründer der Sportkameradschaft Fichtenberg. Zu dieser Zeit war Karl Laubenberger Pächter am Waldsee. Er war kein Fußballer, aber er war ein Fußballverrückter. Er wurde die treibende Kraft bei der Gründung des Sportclub 1947 Fornsbach e.V.
Gründung mit Hindernissen
Der Mitbegründer der SK Fichtenberg, Alfred Weiler, arbeitete im Jahr 1947 in Fornsbach bei Karl Laubenberger in der Küche und spielte im Nachbarort Fichtenberg Fußball. Dies ließ den Fußballfanatiker Karl Laubenberger nicht ruhen. In Fornsbach muß ein Fußballverein her. Als dann im Sommer die Fußballer aus Erdmannhausen zum Trainingslager am Fornsbacher Waldsee waren, gab Karl Laubenberger keine Ruhe mehr. In vielen Sitzungen in der Waldseegaststätte wurden die Probleme gewälzt: Ein großes Problem war, daß in Fornsbach kein Sportplatz existierte. Zwar wurde öfters auf dem Bahnhofplatz trainiert, doch das konnte keine Lösung sein. Eine weitere Schwierigkeit war das Sportgerät, in dieser Zeit war ein Fußball nur schwer zu organisieren. Eugen Wurst konnte Abhilfe schaffen, er besorgte sogar einen Lederball, mit dem auf dem Bahnhofplatz in Fornsbach gekickt werden konnte.
Doch bis der erträumte Verein endlich aus der Taufe gehoben werden konnte, waren noch manche Klippen zu umschiffen. Alfred Weller erinnert sich an die Suche nach einem Namen für den neuen Fornsbacher Verein: ,,Ich arbeitete in Stuttgart und hatte die Möglichkeit mit Karl Wieland zum Training nach Degerloch zu gehen und bei ,,Osse" Müller, Staatstrainer von Österreich, zu trainieren. Als wir, das waren Laubenberger, Hinderer, Butsch und ich, im Herbst bei einer neuerlichen Zusammenkunft über die Namensgebung sprachen, habe ich einige Namen von Stuttgarter Sportvereinen vorgeschlagen. Willi Horn aus Murrhardt spielte damals beim Sportclub in Stuttgart.
S C F - Alle Anwesenden waren für diesen Vereinsnamen.
Somit war ein weiteres Hindernis aus dem Weg geräumt. Aber gut angesehen waren die SCler zu dieser Zeit weder beim Gemeinderat, bei Bürgermeister Kasper noch bei der älteren Fornsbacher Bevölkerung. Der Fußball, und auch der Sport allgemein, wurde angesichts der Kriegsschäden als unnütz betrachtet. Die Gemeinde hatte natürlich vorrangig den Wiederaufbau des Ortes im Auge.
Erneut berichtet Alfred Weller: ,,Karl Laubenberger und ich gingen aufs Rathaus um den Sportclub 1947 Fornsbach beim damaligen Fornsbacher Bürgermeister Emil Kasper anzumelden.
Wir bekamen zur Antwort: Was wollt Ihr? Fußball spielen? Zuerst wird Schutt abgefahren! An zwei Samstagen wurden Pferdefuhrwerke eingespannt, mit Hubert und Braun auf dem Bock und von ca. 10 Personen mit Hilfe von Schaufeln beladen.".
Der Verein war von amtlicher Seite genehmigt!
Vom Fußballclub zum modernen Sportverein
Der Sportclub ändert sich mit den sich wandelnden Bedürfnissen »Fußball ist unser Leben« war zunächst das Hauptmotto beim SC Fornsbach. Fußball bestimmt im wesentlichen die Geschichte des Vereins. Die Gründungsinitiatoren wollten selber Fußball spielen, und die Voraussetzungen dafür zu schaffen war deshalb zunächst der Hauptzweck des Vereins. Über 20 Jahre beherrschte der Fußball fast ausschließlich das Vereinsgeschehen. Versuche, andere Sportarten innerhalb des Vereins anzusiedeln und kontinuierlich aufzubauen, scheiterten hauptsächlich an den dafür notwendigen Sportstätten.
Wie schon ausgeführt, gab es schon in den Anfängen des Vereins eine Turnergruppe, die auch Leichtathletik betrieb. Sie hatte 1952 über 30 aktive Turner und auch einige Turnerinnen. Die Turnergruppe nahm an verschiedenen Sportfesten im Kreis teil und führte ihr Können auch an der Jahresfeier 1952 vor.
Wie schwierig die Verhältnisse in bezug auf Beschaffung von Turngeräten war, zeigt der Schriftwechsel des Schriftführers Richard Braun mit der TSG Backnang. Er fragt an, ob aus amerikanischen Beständen Turngeräte zugeteilt werden können. Er bekommt als Antwort: »Wir freuen uns über Ihre neue Turnergruppe, doch haben wir leider schon zwei Barren ausgeliehen und an Matten haben wir selbst nichts mehr, da die US-Besatzung im Seminar alles brennbare Sportgerät vernichtet hat.« Als einziges Gerät stand der Gruppe dann ab 1952 ein Turnpferd zur Verfügung. Es wurde in Vorderwestermurr abgeholt und die Stadtpflege Murrhardt stellte es dem SCF für eine jährliche Leih- und Abnützungsgebühr von 5 DM zur Verfügung. Nachdem zunächst der Turnsaal wegen Eigennutzung durch die Schule und dann auch noch der Kronensaal nicht mehr zur Verfügung standen, wurden der Turnabteilung die Grundlagen entzogen und die sportlichen Aktivitäten hörten ab 1955 auf.
Im April 1952 wurde versucht, eine Tischtennisabteilung ins Leben zu rufen. Zunächst wurde eine Platte im Kronensaal aufgestellt und dort gespielt. Nach einem Jahr stand der Saal nicht mehr zur Verfügung und die Aktivitäten der Tischtennisabteilung schliefen ein. 1956 folgte ein weiterer Versuch, der jedoch aufgrund des mangelnden Raumangebots wenig erfolgreich war. Außer diesen Aktivitäten gab es nur den Fußball beim Sportclub. Auch die Entwicklung der Fußballabteilung ist eng gekoppelt an die Problematik der zur Verfügung stehenden Sportstätten (vergleiche dazu das folgende Kapitel). Im Gegensatz zu den anderen Abteilungen wurden aber die Schwierigkeiten gemeistert und es wurde kontinuierlich die ganzen Jahre über Fußball gespielt. Es mangelte zwar ab und zu an Spielern und auch die Jugendarbeit war schwer aufzubauen - so wurde 1967 der Versuch unternommen, mit dem FC Alm eine Spielgemeinschaft zu gründen - aber gespielt wurde immer. Die Erfolge waren wechselhaft. Nur zweimal gelang der Aufstieg in die nächsthöhere Klasse. 1955 als Meister und 1958 als Zweiter. 1971 wurde im Trend der Zeit eine Damenfußballmannschaft gegründet. Diese Mannschaft sollte die erfolgreichste des Sportclubs werden. Sie wurde 1978 Meister der Rems-Murr-Staffel und 1979, 1980 und 1981 Meister der Bezirksstaffel. 1981 schaffte sie den Aufstieg in die höchste Liga des Damenfußballs.
Aufgrund dieser internen Struktur des Vereins ist es erklärlich, daß bis 1971 fast ausschließlich Männer Mitglieder des Sportclubs waren. Nur wenige Jahre, in der Zeit der Turnabteilung, hatte der Verein einige weibliche Mitglieder. Nur eine einzige Frau ist seit 1948 ununterbrochen Mitglied des Vereins: Frau Hilde Offenhäuser.
Die Mitgliederzahlen bewegten sich von 1947 bis 1970 von 35 langsam aber stetig auf 213.
Ein gewaltiger Sprung ergab sich erst nach der Gründung der Damengymnastikabteilung. 1972 hatte der SCF schon 317 Mitglieder. Auch der Anteil der männlichen und weiblichen Mitglieder änderte sich drastisch. 1974 war schon ein Drittel der Mitglieder weiblich. Diese Zahlen dokumentieren den gesellschaftlichen Wandel, der auch in Fornsbach nicht Halt machte. Als 1976 auch noch der Skiclub gegründet wurde, hatte sich der einstige Monoverein schon ordentlich geöffnet. Auch diese Gründung war Ausdruck der gesellschaftlichen Bedingungen und der lokalen Gegebenheiten. Die Faszination des Skisports hatte Jahre davor schon eine große Masse erfaßt, und das Skifahren wurde zum Breitensport. Da keine Räume für andere Sportarten in Fornsbach vorhanden waren, bot es sich an, diese Abteilung zu gründen. Vorbereitende Gymnastik konnte in der 1971 gebauten Gymnastikhalle betrieben werden und zum Skifahren selber fuhr man mit dem Bus zu den bekannten Skigebieten. Eine große Anzahl neuer Mitglieder wurde durch dieses Angebot angesprochen. Weitere 10 Jahre lang blieb die Vereinsstruktur stabil und die Mitgliederzahlen entwickelten sich nur langsam weiter. Bis 1986 auf 476. Erst 1986 - als mit dem Bau der Gemeindehalle endlich die räumlichen Verhältnisse für eine zeitgemäße Sportausübung geschaffen wurde, konnte der Verein sich weiterentwickeln.
Text von Wolfgang Samtner
„40 Jahre SCF, 1987“